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#111 Wie du Tierschutz-Hunden Sicherheit vermittelst

#111 Wie du Tierschutz-Hunden Sicherheit vermittelst

Wie du Tierschutz-Hunden Sicherheit vermittelst

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Warum benötigen Hunde aus dem Tierschutz viel Sicherheit im Alltag?

Einige der Hunde haben das Vertrauen in die Menschen verloren, weil sie schlecht von ihnen behandelt, vernachlässigt, gequält oder ausgesetzt wurden. Vertrauen aufzubauen funktioniert nur, wenn Hund sich sicher fühlt. Einem vorsichtigen und misstrauischen Hund muss langsam und geduldig das Vertrauen beigebracht werden, dass ihm durch uns geholfen werden kann und wir ihn anfassen dürfen, um ihn zu behandeln.

Der Hauptgrund, warum Hunde aus dem Tierschutz noch stärker auf Sicherheit angewiesen sind, sind Deprivationsschäden durch Erfahrungsentzug, auch Deprivationssyndrom genannt.

Deprivationsschäden: Definition und Auswirkungen

Ein Hund befindet sich zwischen der 3./4. und 20. Lebenswoche in der sozial sensiblen Phase, in der er alle aufgenommen Reize und Erfahrungen besonders tief für sein zukünftiges Leben verankert. Während dieser Zeit bilden sich normalerweise neue Nervenzellen, die sich miteinander vernetzen. Durch fehlende Erfahrungen in dieser Zeit können jedoch keine neuen Nervenverbindungen entstehen, da die entsprechenden Impulse nicht an das Gehirn gesendet werden.

Bei einem Welpen, der seine ersten Wochen in einem dunklen Raum eingesperrt oder in einer ähnlichen, nicht artgerechten Situation verbringt, gibt es keine oder nur wenige neue Reize aus der Umwelt. Den Welpen im Tierheim wird versucht, so gut es geht zu helfen. Die Mitarbeiter versuchen so gut wie nur möglich, sich mit den Tieren zu beschäftigen, aber das reicht oftmals einfach nicht aus, um den Welpen mit allen nötigen Reizen zu versorgen. Viele der Hunde kommen erst im Erwachsenenalter in die Heime und haben bereits Deprivationsschäden.

Diese Hunde gilt es mit wichtigen Reizen zu konfrontieren: viele andere Hunde aller Rassen und Altersgruppen, Menschen, Kinder, ungewohnte Gegenstände, Geräusche, Gerüche. Da die Tiere in der Regel die ganze Zeit im Shelter bleiben und nichts Neues sehen, ist dies nur begrenzt möglich. Die Gehirnstruktur dieser Tiere zeigt also Defizite auf, die es dem Hund in seinem weiteren Leben schwer machen, sich in einer komplexen Umgebung zurecht zu finden und flexibel auf veränderte Bedingungen zu reagieren.

Der Hund hat auch nicht gelernt, sich selbstständig mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein sind gering und je nach Schweregrad kann dies zu chronischen Angstzuständen und ein Gefühl von Dauerstress führen. Auf der Suche nach einem Ventil, um diese Anspannung loszuwerden, wenden die Hunde verschiedene Strategien als Selbstschutzmechanismus an, zum Beispiel Bellen, in die Konfrontation gehen, Aggressionen einsetzen, um andere Menschen oder Hunde oder unbekannte Situationen auf Distanz zu halten.

Daran erkennst du Deprivationsschäden

Es gibt verschiedene Abstufungen von Deprivationsschäden. Anhaltspunkte sind:

  • häufige Nervosität und Unsicherheit
  • hohes Erregungslevel
  • neigen verstärkt zu Aggressivität
  • plötzliches der Situation unangemessen aggressives Verhalten mit hoher Intensität
  • neigen zu Übersprungshandlungen
  • neigen zu Verhaltensauffälligkeiten wie Stereotypien (zB sich selbst Kratzen, Beißen, verletzen, Schwanz jagen)
  • lebenslange Stressanfälligkeit
  • kaum Generalisieren möglich (schwierig zu trainieren, da einmal Gelerntes nicht auf vergleichbare Situationen übertragen werden kann)

Wichtig: Jeder der Punkte kann einzeln betrachtet auch Symptom eines anderen Auslösers sein!


Wie können wir als Halter Sicherheit vermitteln?

1. Stresslevel senken

Schaffe von Anfang an einen sicheren Rückzugsort für deinen Hund. Das kann zum Beispiel eine Box in einer geschützten ungestörten Ecke sein. Boxen geben durch den Schutz von allen Seiten noch mehr Sicherheit. An diesem Rückzugsort hier wird der Hund weder angefasst, noch angeguckt, noch angesprochen; an diesem Ort soll er sich vollkommen sicher fühlen und ungestört sein können. Du kannst auch versuchen, ein Entspannungstraining mit Massagen zu machen, wenn sich der Hund gerne anfassen lässt. Dazu knetest du seine Haut sanft und ruhig und achtest darauf, ob er sich dabei entspannen kann.

Ein besonders wichtiger Punkt ist die Stimmungsübertragung. Nur wenn du selbst dich sicher fühlst, kann auch dein Hund sich sicher fühlen, denn du bist sein Bindungspartner, bei dem er jederzeit Schutz suchen können soll. Daher achte auf deine eigene Stimmung, wenn du merkst, dass du gestresst bist, atme tief durch und versuche so, dich zur Ruhe zu bringen. Du wirst merken, dass auch dein Hund gleich viel gelassener wird, wenn du es bist!

Beim Entspannen können auch Aromaöle sehr gut eingesetzt werden. Kamille oder Lavendel wirken beruhigend und können bei gemeinsamen Entspannungsübungen oder einfach auf dem Sofa mit eingebunden werden. Der Hund verbindet dann mit dem Duft eine entspannte Stimmung und kann dann auch in stressigen Situationen besser herunterfahren. In aktuten Situation oder wenn du weißt, dass eine herausfordernde Situation auf euch zukommt, wie zum Beispiel ein Tierarztbesuch, helfen Rescue Tropfen (Bachblüten) sehr gut. Diese sind in fast allen Apotheken erhältlich, du solltest nur darauf achten, dass du die ohne Alkohol verwendest. Vor der akuten Situation gibst du einfach ein paar Tropfen auf deinen Handrücken oder direkt auf die Nase deines Hundes (sie sollten in Kontakt mit den Schleimhäuten kommen) und lässt ihn sie abschlecken.

2. Strukturen & Rituale


Feste Strukturen und Rituale in den Alltag zu integrieren, geben Hunden Sicherheit und vor allem Orientierung, da sie sich an bestimmte Reize gewöhnen, sie dadurch wissen, was sie erwartet und sich nicht mehr neu orientieren müssen. Das Gefühl von Hilflosigkeit und Stress wird verringert, das wiederum senkt das Stress- und Erregungslevel beziehungsweise hält es niedrig. Das können feste Gassirunden sein oder feste Uhrzeiten für seine Mahlzeiten.

Auf Spaziergängen sollte sich neuen Reizen gemeinsam genähert werden, an der Seite des Hundes bleiben und ihn dabei unterstützen, wenn er sich zurückziehen möchte. Bei entgegenkommendem Mensch-Hund-Teams sollte man im Bogen laufen und Abstand vergrößern, falls sich Hund unwohl fühlt.

Stress blockiert das Lernen: Hunde können nur im entspannten Zustand lernen. Ist der Hund gestresst oder in Angst schüttet der Körper Stresshormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin aus, was  - vereinfacht ausgedrückt - lernen im Gehirn blockiert; der Hund ist in so einem Moment nicht ansprechbar. Es hilft also nicht, sich und seinen Hund durch so eine Hundebegegnung hindurch zu zwingen, da er ohnehin nicht daraus lernen könnte, auch, wenn sie gut verläuft. Der Hund muss sich erst in einem entspannten Zustand befinden und noch ansprechbar sein.


Erfolge sammeln: Sämtliche Situation, die er schafft, zu bewältigen, geben ihm Selbstsicherheit. Helfen kann z.B. gemeinsames Tricksen, Agility oder Degility. Darauf achten, kleinschrittig zu arbeiten und geduldig sein.

3. Stimmungsübertragung: Wie fühlst du dich selbst?

Durch die eigene Stimmung kann man als Halter positiven Einfluss auf den Hund nehmen.
 Du kannst deinem Hund nur Sicherheit vermitteln, wenn du dich selbst sicher fühlst.

Klare Kommunikation ist extrem wichtig: Der Hund braucht einen zuverlässigen und souveränen Bindungspartner, auf den er sich verlassen kann.


Nicht an die Vergangenheit des Hundes denken: das versetzt in negative Stimmung von Mitleid, Trauer, Sorge. Der Hund braucht aber eine starke, positive Person.

Nicht von kleinen Fehlern oder Misserfolgen im Alltag herunterziehen lassen, sondern sich so oft wie möglich in eine gute Stimmung versetzen. Es ist wichtig, am eigenen Mindset bzw. “Heartset” zu arbeiten, um die eigene Stimmung anzuheben. Hier helfen Meditationen (An dieser Stelle, Minute 40:00, macht Kiki gemeinsam mit dir eine kleine Meditation), verschiedene Atemtechniken (das versorgt unsere Zellen mit Sauerstoff und lässt uns wieder klar denken und dadurch sicherer Handeln) und positiver Selbsttalk (An dieser Stelle, Minute 47:00, spricht Kiki mit dir gemeinsam 3 positive Affirmationen).

Fazit

Die Mensch-Hund-Bindung ist der Schlüssel, um dem Hund Sicherheit zu bieten und richtig mit Hunden aus dem Tierschutz umzugehen.

Das Konzept von Pawsitive Life Coaching® basiert auf drei Säulen der Bindung, nämlich Zuneigung, Strukturen & Rituale, und die wichtigste Säule, die Sicherheit. Wie du die Bindung zu deinem Hund intensivieren kannst und auch dein eigenes Heartset positiv verändern kannst, lernst du Schritt für Schritt in unserem Onlinekurs emPAWer your life


CREDITS INTRO / OUTRO
Italian Afternoon von Twin Musicom ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert.
Interpret: http://www.twinmusicom.org/

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