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Tierschutzhund oder Zuchthund? Was ist richtig?

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Kiki wird im Oktober für einige Wochen auf der griechischen Insel Korfu im Tierschutz arbeiten. Auf Instagram kam es in diesem Zusammenhang zu einer Diskussion zwischen Tierschutz-Befürwortern und Tierschutzhund-„Gegnern“, ob man sich für einen Hund aus der Zucht oder dem Tierschutz entscheiden sollte. Das hat uns gezeigt, dass hier ganz dringend aufgeklärt werden sollte und für das Thema sensibilisiert werden sollte, insbesondere was den Umgang untereinander unter uns Hundehaltern angeht. Denn egal, ob Hund aus dem Tierschutz oder Hund aus der Zucht: hier sollte sich gegenseitig mit Respekt begegnet werden. 

Letztendlich gibt es unfassbar viele Gründe, die für oder gegen einen Tierschutz- oder  Zuchthund sprechen können. Hier haben wir euch die mistgenannten Argumente einmal zusammengestellt.

Was spricht für einen Tierschutzhund?


Ethik

Man tut etwas Gutes und gibt einem Hund in Not ein Zuhause. Das ist für die meisten Hundehalter wohl der Hauptgrund für einen Tierschutzhund.


Nachhaltigkeit

Für den ökologischen Fußabdruck ist es besser, einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren, denn es wird nicht extra ein weiterer Hund in der Zucht "produziert". Und Je mehr Hunde es auf der Welt gibt, desto mehr Fleisch für deren Nahrung muss produziert werden, was wiederum das Klima belastet. Spinnt man diesen Gedanken jedoch weiter, würde das voraussetzen, dass es durch Adoption insgesamt weniger Hunde auf der Welt gibt, was nicht der Fall ist. Da müsste man eher am Stoppen der Vermehrung der Straßenhunde ansetzen.


Kosten

Tierschutzhunde sind günstiger als Zuchthunde, da man meist nur eine Schutzgebühr an das Tierheim zahlt. Aber das sollte kein ernsthafter Faktor für die Entscheidung sein, da mit einem Hund immer auch weiterführende Kosten für Tierarzt, Futter und sonstiges „Zubehör“ anfallen und einem das immer bewusst sein sollte.

Was spricht gegen einen Tierschutzhund?


Du weißt nicht, was du bekommst

Häufig war die Sprache von einer „Wundertüte“ oder einem „Überraschungsei”, das man sich mit einem Tierschutzhund ins Haus holt. Meistens wird der Hund über Bilder und Geschichten ausgewählt und nur manchmal gibt es die Option, ihn in Pflegestellen zu besuchen. Die Besichtigung im Zwinger im Tierheim zeigt den Hund nicht in seinem normalen Umfeld. Dazu kommt, dass man die Erfahrungen nicht kennt, seine Elterntiere meist nicht kennt und auch nicht sehen kann, welche Rasse drin steckt. Gerade in Rumänien und Griechenland stecken zum Beispiel häufig Herdenschutzhunde mit drin, was sich in verstärktem Schutz- und Territorialverhalten zeigen kann. Das ist insbesondere für Ersthundehalter nicht einfach.

Deprivationssschäden


Sehr häufig zeigen Hunde aus dem Tierschutz zumindest leichte Deprivationsschäden. Mehr Infos dazu findest du in Folge #111 Wie du Tierschutzhunden Sicherheit vermittelst.

Kosten

Auch wenn der „Kaufpreis“ vielleicht günstiger ist, kommen eventuell mehr Kosten für den Tierarzt, einen Hundetrainer oder Verhaltensberater auf einen zu, da man keine oder wenig Kenntnis über seinen Gesundheitszustand hat und die Deprivationsschäden ein gesondertes Training erfordern können.


Was spricht für einen Zuchthund?

Kennenlernen

Bei einem Zuchthund kann sich die Elterntiere ansehen, kann den Hund öfter besuchen und vorher kennenlernen. Auch ein Zuchthund ist eine „Wundertüte“, da sich die Persönlichkeit wie auch beim Menschen im Laufe des Lebens ganz individuell entwickelt und durch Erfahrungen geprägt wird, doch für viele Menschen ist es vom Gefühl her einfacher zu wissen, dass der Hund noch keine prägenden Erfahrungen machen musste.

Rassekenntnis

Es kann einfacher im Handling sein, wenn man sich vorher mit der Rasse auseinandergesetzt hat und deshalb einordnen kann, welche Charaktereigenschaften typisch sind. Dennoch kann der Charakter/die Persönlichkeit innerhalb einer Rasse sehr unterschiedlich sein!

Keine Deprivationsschäden

Ein guter Züchter hat den Welpen in der sozial sensiblen Phase ausreichend Reize zum Lernen geboten, sodass der Hund in der Regel keine Deprivation erfahren musste. Davon auszuschließen sind aber definitiv „Wühltischhunde“, die zwar Rassehunde sind, aber schlimme Erfahrungen machen mussten.


Was spricht gegen einen Zuchthund?


Ethik

Der Hund wird extra für den Menschen „produziert”, obwohl es bereits so viele Hunde gibt, die ein Zuhause suchen. Dieser Standpunkt ist jedoch schwieriger zu bewerten, als auf den ersten Blick erscheint. Der Hund ist durch die Domestikation vom Menschen gemacht, um mit uns zu Leben und auch Menschen werden stetig mehr. Letztendlich gehören Hunde fest zu unserem Familienbestand und das Konzept, nur noch Straßenhunde zu adoptieren, würde in der Praxis nicht so funktionieren, wie wir es uns in der Theorie vorstellen.

Kosten

Zuchthunde sind in der Regel sehr viel teurer als Tierschutzhunde, wobei wieder gesagt werden muss, dass das kein Grund sein sollte.

Keine Garantie

Auch ein Hund aus der Zucht kann natürlich krank werden oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen, genauso wie ein Hund aus dem Tierheim oder aus dem Tierschutz. Hier ist das Risiko bei guter und angemessener Haltung aber geringer.


Insgesamt steckt man weder beim Zucht- noch beim Tierschutzhund drin. Es wird immer Gesundheit und Krankheit geben und das kann ich als Mensch nicht beeinflussen; ich kann niemanden vor Krankheit beschützen.

„Second Hand Hunde“

Eine Art „Kompromiss“ sind Hunde aus zweiter Hand, sogenannte „Second Hand Hunde“, die von einer Familie an die nächste abgegeben werden. Das sind sozusagen Rassehunde (oder Mischlinge) aus dem Tierschutz.


Keine Schwarz-Weiß-Malerei

Du bist kein schlechterer Mensch, wenn du dich für einen Hund aus der Zucht entscheidest, genauso wie andersherum. Jeder Hund hat seine Daseinsberechtigung auf dieser Welt und es ist unfair zu sagen, dass die Hunde, denen es am schlimmsten geht, eine höhere Daseinsberechtigung hätten. Jeder kann seinen Teil beitragen und etwas tun, indem wir unsere Hunde unterstützen und indem wir respektvoll, friedvoll und freundlich miteinander umgehen! Keiner sollte sich dafür rechtfertigen müssen, dass er oder sie einen Hund aus dem Tierschutz oder aus der Zucht hat - beides ist vollkommen okay. Denn so eine negative Stimmung ist weder gut für den Menschen, noch für den Hund gut. Gerade Hunde, die mit Deprivationsschäden aus dem Tierschutz kommen, brauchen Schutz und Sicherheit und einen souveränen Bindungspartner an ihrer Seite.

Man kennt die Geschichte des Hundes und des Halters meist nicht, denn manche Menschen waren dazu bereit, einen Hund aus dem Tierheim adoptieren, haben jedoch nicht die Erlaubnis dafür bekommen oder fühlen sich als Ersthundehalter unsicher. Es bringt nichts, mit falschem Ehrgeiz heran zu gehen und den Hund später wieder zurück ins Tierheim zu geben, weil es nicht funktioniert hat oder Schlimmeres passiert ist, weil man dem Hund nicht gerecht werden konnte. Jede Entscheidung sollte respektiert werden; es steht niemandem zu, über die Entscheidungen eines anderen Menschen zu urteilen.

Insgesamt positiv zu erkennen war, dass fast alle Hundehalter, die sich in der Debatte geäußert haben, zumindest darüber nachgedacht hatten, einen Hund aus dem Tierschutz zu sich zu holen. Für die meisten Hundehalter ist Ethik der ausschlaggebendste Punkt, sich für einen Hund aus dem Tierschutz zu entscheiden und das sind Werte, die unsere Welt mehr braucht! Auch das Thema Nachhaltigkeit war ein entscheidender Punkt, das sehr weitläufig ist. Jeder sollte auch hier seinen eigenen Weg finden, wie er unsere Erde unterstützen möchte und sich nicht von der Meinung anderer irritieren lassen. Auch der kleinste Schritt ist ein Erfolg.

Wie wir Hunde und den Planeten unterstützen können

Eine vegane oder zumindest vegetarische Ernährung macht auch schon in kleinen Schritten einen Unterschied. Das geht sogar auch ein mal in der Woche beim Hund. Man kann weniger Plastik nutzen, mehr Bahn fahren statt Auto oder das Fliegen einschränken, man kann an Tierschutzorganisationen wie die Tierhilfe Korfu spenden oder ein Volontariat im Tierheim machen, mit Hunden aus dem Tierheim Gassi gehen oder Flugpate sein, um Tiere nach Deutschland zu holen oder sich als Pflegestelle anbieten.


Tipp: Die Instamgramaccounts @veganistungesund und @nikorittenau klären wissenschaftlich fundiert über Klischees auf.

Alle Hunde haben hier auf dieser Erde ihre Daseinsberechtigung und jeder Hund sollte hier ein schönes Leben haben dürfen. Leben und leben lassen! Und wenn euch ein Wert besonders wichtig ist und ihr aufklären möchtet, dann informiert, aber seht vom Missionieren ab.


Fazit

Es gibt kein Richtig und kein Falsch, was die Debatte Tierschutzhund oder Zuchthund angeht. Jeder Halter sollte die beste Entscheidung für seinen Hund und für sein persönliches Leben treffen und vor nichts und niemandem für seine Entscheidung rechtfertigen müssen; erst recht nicht vor fremden Hundehaltern. Lass dir keine Schuldgefühle oder ein schlechtes Gewissen einreden, denn du selbst weißt am besten, was für dich und deine Familie und für deinen Hund das Richtige ist.



CREDITS INTRO / OUTRO
Italian Afternoon von Twin Musicom ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert.
Interpret: http://www.twinmusicom.org/

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