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#119 Darum kann dein Hund nicht entspannt im Auto mitfahren

#119 Darum kann dein Hund nicht entspannt im Auto mitfahren

Darum kann dein Hund nicht entspannt im Auto mitfahren

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Für uns Menschen gehört das Auto praktisch schon zum Alltag dazu und deshalb ist es für uns selbstverständlich, einzusteigen und loszufahren. Wir machen uns meist erst Gedanken darüber, wenn wir mit unserem Hund Autofahren wollen.


Fünf Gründe, warum dein Hund nicht mit Auto fahren möchte

Damit wir die Angst unseres Hund auflösen können und seine negativen Gefühle in positive transformieren können, ist es zunächst wichtig, die Gründe zu kennen, warum der Hund nicht entspannt im Auto mit uns mitfahren kann. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Sollte dein Hund Angst vor dem Auto haben und nicht mitfahren wollen, kannst du dich auch auf die nächste Folge #120 freuen, denn in dieser werden wir dir praktische Tipps an die Hand geben, was du tun kannst, damit dein Hund entspannt mit dir Auto fährt.

 Nun aber zunächst einmal zu den Ursachen:

1. Die erste Autofahrt war unangenehm


Die erste Autofahrt deines Hundes war vielleicht nicht gerade angenehm; wenn Hunde vom Züchter abgeholt werden, ist das sowieso schon ein großer Tag ist für einen Welpen. Er wusste nicht, was passiert und einigen Welpen kann das ganz schön auf den Magen schlagen. Das Gleichgewichtsorgan des Welpen ist solche Schaukel-, Schüttel- und Kurvenpartien noch nicht gewohnt, das Gehirn schaltet auf Alarm und meldet dem Magen, weshalb sich viele Welpen auf der Autofahrt auch übergeben müssen.


Wenn du einen Hund aus dem Tierschutz aus dem Ausland in dein Leben geholt hast, hatte dieser einen langen Transport, sogar per Flugzeug, hinter sich und verbindet nun die Transportbox mit Angst und Stress. Bei erwachsenen Hunden aus dem Tierheim oder aus zweiter Hand kann es auch gut sein, dass er hat es schlicht und einfach nicht gelernt hat, im Auto mitzufahren.


Für den Hund ist Autofahren eine neue, ungewohnte Erfahrung. Es riecht anders und schaukelt hin und her, er konnte noch kein großes Vertrauen zu uns aufbauen, und weiß noch nicht, dass wir als Halter nur das Beste für ihn wollen
. Es muss nicht zwangsläufig die erste Autofahrt gewesen sein, es kann auch eine andere Fahrt verantwortlich für die negativen Erfahrungen sein, z.B. eine Vollbremsung oder ein Unfall.


2. Der Hund ist reisekrank

Die Reisekrankheit gibt es auch bei Hunden, medizinisch wird dies „Kinetose“ genannt. Darunter versteht man die Reaktion auf ungewohnte, passive Bewegungen, wie man ihnen beispielsweise im Auto, im Flugzeug oder auf dem Schiff ausgesetzt ist - immer dann, wenn man sich nicht selbst bewegt, sondern bewegt wird.
 Der Reisekrankheit beim Hund liegen vor allem zwei Ursachen zu Grunde, die sich gegenseitig beeinflussen und unterschiedliche Ausmaße annehmen können: Die passive Bewegung oder/und die Angst vor dem Transport (Punkt 1).


Um Bewegungen des Körpers wahrzunehmen und zu verarbeiten steht dem Organismus das Gleichgewichtsorgan im Innenohr zur Verfügung. Ursprünglich registriert dieses die Fortbewegung, wenn der Hund sich selbst bewegt oder geht. Wird der Hundekörper aber stark beschleunigt, ohne dabei selbst aktiv zu sein, kann das Gleichgewichtsorgan dies als eine Art Sinnestäuschung empfinden und entsprechend empfindlich reagieren. Dann kommt es zur Reizung des vegetativen Nervensystems – und somit zur Reisekrankheit. 
Die Reisekrankheit wird noch verstärkt, wenn zusätzlich ungewohnte Reize einwirken, wie z.B. wenn es die erste Autofahrt ist, er mit einer neuen Familie, einer anderen Umgebung, starken Gerüchen im Auto wie Geruchsbäumchen konfrontiert wird. 
Wenn die optischen Reize nicht mit den Reizen übereinstimmen, die auf das Gleichgewichtsorgan einwirken, z.B. wenn das Tier in seiner Transportbox die Bewegung des Fahrzeuges nicht sehen, aber fühlen kann.


Woran du die Reisekrankheit erkennst

Oftmals erkennen wir die Reisekrankheit nicht gleich; nicht jeder Hund übergibt sich gleich im Auto. Eine Vorstufe der Reisekrankheit kann Müdigkeit sein. Der Hund verspürt das Bedürfnis zu schlafen, während er im Auto ist. Das wird oft als Entspannung missinterpretiert und die Überraschung ist groß, wenn er dann anfängt, sich zu übergeben. Hier muss man die Gesamtsituation betrachten. Einige Hunde zeigen sich sehr “introvertiert”, wenn sie in Stress geraten, das heißt, man erkennt nicht sofort, dass Hund reisekrank ist. 


Weitere Anzeichen für die Reisekrankheit können im Vergleich zum Normalverhalten und dem Allgemeinzustand des Hundes erkannt werden. Der Gesichtsausdruck des Hundes bei der Reisekrankheit ist ähnlich dem seines Schmerzgesichts. Dabei sind die Lefzen zurückgezogen und eher spitz. Der Hund erstarrt, steht nicht mehr auf oder legt sich nicht um; die Körperhaltung ist niedrig (geduckt), die Aktivitäten werden auf ein Minimum reduziert und der Hund schläft entweder gar nicht oder zeigt das andere Extrem, nämlich kontinuierliches schlafen. Weitere Anzeichen sind Unsauberkeit und Aggressionen. Das variiert je nach Intensität der Übelkeit.


Schnelle Tipps sind hier zu schauen, ob sich Hund im Sitzen oder im Liegen wohler fühlt; manchen Hunden bekommt es gut, wenn sie aus dem Fenster sehen können, anderen wird dabei eher schlecht. Es ist ganz wichtig hier mit viel Ruhe und Geduld das Training zu absolvieren. Der Hund kann zusätzlich mit alternativen Mitteln wie Rescue Tropfen (Bachblüten) oder Globuli unterstützt werden.

3. Schmerzen beim Springen / Einsteigen ins Auto

Viele Hunde springen erst gar nicht ins Auto hinein. Hunde dürfen auf keinen Fall mit Druck oder dem Hinzufügen von Strafe, wie ans Halsband ins Auto zerren, ins Auto gezwungen werden! Damit machen wir uns nur das Vertrauen zunichte und das sollte die wichtigste Grundlage in unserer Mensch-Hund-Bindung sein.


Stattdessen sollte der genaue Grund herausgefunden werden. Macht dem Hund das Auto an sich Angst? Ist es das Hineinheben oder sogar das Hineinspringen? 
 Das erkennt man sehr gut daran, wenn dein Hund einen großen Bogen um das Fahrzeug macht und oft aufgefordert werden muss, ins Auto hineinzuspringen; er beim Rein-und Rausspringen zögert oder erst gar nicht in die Nähe des Autos gelangen will. Dies können Anzeichen für eine schmerzinduzierte Aversion sein. Dann sollt der Bewegungsapparat des Hundes von einem Tierarzt überprüft werden, also die Sehnen, Knochen, Gelenke, von der Wirbelsäule bis zu den Gliedmaßen. Um einem Hund, der aus Schmerzgründen nicht ins Auto einsteigen, zu helfen, könnt ihr mit einer Rampe arbeiten - erste Hilfe können hier umgedrehte Wäschekörbe geben! Wenn euer Hund schmerzbedingt nicht einsteigen will, mag er wahrscheinlich auch nicht gerne aus dem Auto wieder aussteigen, weil er dann springen muss. Hier kann ritualisiertes Ein- und Aussteigen helfen.


(Kleine) Traumata können auch dazu beitragen, dass der Hund nicht gerne ins Auto einsteigt: Gerade der Bereich der Tür kann sich elektrostatisch aufladen und auch unsere Hunde können hier „eine gewischt“ bekommen. Der Hund bringt dieses negative Gefühl mit dem Auto in Verbindung und kann auch auf Grund dessen nicht mehr ins Auto einsteigen wollen. Es gibt sogenannte Erdungsbänder, die man ans Auto kleben kann, damit sich das nicht mehr statisch auflädt. 


4. Angst vor der Hundebox

Viele Hunde fahren im Kofferraum mit und werden zur Sicherheit in einer Hundebox untergebracht. 
Wird der Hund nicht vorher an die Box gewöhnt, fühlt sich darin nicht so wohl oder hat damit schon schlechte Erfahrung gesammelt, dann ist es absolut verständlich dass er Angst davor hat und nicht ins Auto möchte. Die Angst besteht dann also nicht vor dem Auto an sich, sondern vor der Box. Das Auto wird zum Ankündiger für das Angst- und Stressgefühl in der Box.


Sicherheit geht vor

Eine Hundebox hat eigentlich jede Menge Vorteile: Sie gibt Hunden Sicherheit, da sie sich wie in einer Höhle einkuscheln können. Der Hund ist in einem “abgetrennten” Bereich und kann bei einer Vollbremsung nicht durch das Auto geschleudert werden. Die Straßenverkehrsordnung schreibt in §22 vor, dass eine Ladung so gesichert sein muss, dass sie auch bei einer Vollbremsung nicht verrutschen und den Fahrer gefährden kann. Ein Hund gilt dabei als Ladung und ist als solche zu sichern. Wirst du erwischt, dass dein Hund frei mitfährt, kann das ein Bußgeld von bis zu 75€ und sogar Punkte nach sich ziehen. Sollte es wegen deines Hundes zu einem Unfall kommen, dann muss deine Versicherung nicht für den Schaden aufkommen. Selbst wenn wir mit den Hunden für 5 Minuten in den Wald fahren. Sicherheit geht vor.


Man kann sich auch eine maßangefertigte Box für den Kofferraum zusammenstellen lassen, wie z.B. diese hier . Der Vorteil solcher Boxen ist, dass sie durch ein schnelles Auf- und Abbauen nicht nur im Auto, sondern auch drinnen oder unterwegs gut genutzt werden können, ohne dass sich der Hund an mehrere Boxen gewöhnen muss.


Damit dein Hund sich in der Box entspannen kann und somit auch wieder gern mit im Auto fährt, sollte man den Hund an die Box gewöhnen. Ein richtiges Boxentraining wird wie ein Körbchen- oder Deckentraining aufgebaut, damit der Hund sich in der Box auch wohl fühlt. Das heißt bevor die Box ins Auto gepackt wird, sollte der Hund erst einmal in der Wohnung daran gewöhnt werden. Dazu kann man ihn in der Box füttern, Lavendel mit in die Box geben, wenn der Hund den Geruch kennt und ihn bereits mit dem Gefühl der Entspannung verknüpft. 
Damit transformieren wir das negative Gefühl des Hundes in ein positives.


So erkennst du, dass dein Hund Angst vor der Hundebox hat


Der Hund hechelt stark in der Box. Achte hierbei auf die Maulwinkel des Hundes. Sind sie stark nach hinten lang gezogen und meidet dein Hund Blickkontakt, fühlt er sich gerade in der Box überhaupt nicht wohl. Manche Hunde zittern, versuchen aus der Box zu fliehen, haben geweitete Pupillen oder kauern sich in der Box zusammen, machen sich klein und ziehen den Schwanz ein
.

Auch in diesem Training benötigen wir Geduld und Ruhe. Das machen wir mit dem Boxentraining, Entspannung auf Signal, aber auch gleichzeitig mit kleinen Ritualen im Kofferraum - erstmal ohne Box, indem du dich zu deinem Hund setzt und ihr gemeinsam entspannt oder ihm kurz vor der Fahrt noch mal einen Keks geben oder Lavendel zu versprühen. Hat der Hund zur Box und zum Kofferraum wieder Vertrauen gefasst, erst dann trainieren wir mit beiden “Reizen” gleichzeitig
.

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Falls ihr gerade motiviert seid, das Training anzugehen und eine Box etablieren wollt, empfehlen wir euch die Boxen der Marke Knuuf.

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5. Das Ziel ist der stressauslösende Faktor 

Hast du dir schon mal über das Ziel der Autofahrt Gedanken gemacht? Denn auch das kann der stressauslösende Faktor sein. Hunde erkennen die Wegstrecken wieder und wissen daher, dass es z.B. zum Hundeplatz geht, sind daher aufgeregt und bellen unter Vorfreude, was der Halter als unangenehmen Stress missverstehen kann.
 Zudem reagieren unsere Hunde sehr fein auf unsere Stimmung. Sie können sich diese bewusst annehmen und erkennen auch, welches Ziel wir ansteuern, wenn wir mit ihm und dem Auto unterwegs sind. 
Wir strahlen unsere Gefühle, die wir mit dem Ziel (Tierarzt, Arbeit, …) verbinden, aus und unser Hund nimmt diese an. Der Hund ist vielleicht darauf konditioniert, dass es immer wenn es ins Auto geht, zu einem bestimmten Ziel geht, das Stress bei ihm auslöst.

Fazit

Sollte dein Hund ungern mit dir mitfahren, dann überprüfe, ob einer oder vielleicht auch mehrere der genannten Gründe zutreffen. Es ist immer wichtig, die Ursache zu erkennen, damit wir diese an der Wurzel angehen können. Denn das ist notwendig, um intensiv und erfolgversprechend zu trainieren und nicht nur einzelne Symptome beheben.
 Schreib uns gerne in die Kommentare, ob du den Grund herausfinden konntet, weshalb dein Hund gerade noch ungerne im Auto mitfährt.


Zum Abschluss möchten wir dich von Herzen darum bitten, unseren Podcast mit deinen Freunden, deiner Familie, Verwandten, Arbeitskollegen zu teilen. Dadurch lässt du unsere Vision noch stärker und größer werden und dazu beitragen, dass wir noch mehr Mensch-Hund-Teams erreichen, denen wir zu einem harmonischen Zusammenleben verhelfen können.


CREDITS INTRO / OUTRO
Italian Afternoon von Twin Musicom ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert.
Interpret: http://www.twinmusicom.org/

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