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#118 Ehrenamtlich im Tierschutz helfen - So läuft ein Volontariat im Tierheim ab

#118 Ehrenamtlich im Tierschutz helfen - So läuft ein Volontariat im Tierheim ab

Ehrenamtlich im Tierschutz helfen - So läuft ein Volontariat im Tierheim ab

Podcastfolge anhören:

Ich bin nun seit einer Woche auf Korfu, um den Tierschutz vor Ort - die Tierhilfe Korfu - für insgesamt 6 Wochen zu unterstützen. In der heutigen Podcastfolge erzähle ich dir, wie ein Volontariat im Tierschutz abläuft, was auf dich zukommt, was genau bei den Tieren ankommt und was sie brauchen und ihnen gut tut. Höre dir diese Folge unbedingt an, wenn du darüber nachdenkst, in einer Tierrettung ehrenamtlich zu arbeiten oder einen Tierschutzverein zu unterstützen! 

Wie ich zum Volontariat kam

Ich persönlich möchte den Tierschutz unterstützen wegen Nala: Sie hat mir so viel gegeben und mein Bedürfnis war so stark, etwas zurückzugeben, anderen Hunden zu helfen. Mir ging es in der letzten Zeit nicht so gut; mir hat meine Aufgabe gefehlt hat, mir hat Nala gefehlt. Seit dem Zeitpunkt, als ich hier angekommen bin und den ersten Schritt in das Shelter gesetzt habe, habe ich gespürt, dass ich jetzt zu genau dem richtigen Zeitpunkt hier bin und dass es seinen Grund hat, weshalb ich jetzt gerade hier bin. Auch wenn ich jetzt schon einiges Trauriges hier mitbekommen habe, geht es mir hier so gut! Die Hunde geben mir einfach etwas, was mir sonst niemand geben kann. Hier herrscht so eine ehrliche, unverfälschte Hundeenergie - das hier ist ein ganz anderes Resonanzfeld als Zuhause in Deutschland.


Die Mindestlaufzeit eines Volontariats hier im Shelter liegt bei 2 Wochen, ich habe mich für 6 Wochen entschieden, um auch das Gefühl und den Alltag hier richtig aufzunehmen. Um den Ablauf und die Hunde und generell alles kennenzulernen, machen zwei Wochen definitiv Sinn. Wichtig: Es ist kein Urlaub hier, weder Erholung für den Körper noch für den Kopf; dafür aber für die Seele, für das emotionale Wohlbefinden - dafür ist es Wellnessurlaub!:-) Die Chance, genommen zu werden, ist hier relativ hoch, hier gibt es auch Schülervolontaire.

Vorbereitung

Man meldet sich bei der Tierhilfsorganisation an, z.B. beim Vorstand, und organisiert den Flug. Die komplette Reise inklusive Verpflegung muss man selbst zahlen; die Kosten für den Rückflug übernimmt bei mir die Tierhilfe Korfu aufgrund der Flugpatenschaft, die ich für 3 Hunden übernehme. Die Kosten für die Unterkunft (die ich über air b’n’b gefunden habe), das Auto inklusive Sprit trage ich alle komplett selbst. Generell schadet es nicht, einfach mal nachzufragen, ob etwas an Kosten übernommen werden kann. Denn je nachdem wie lang man bleibt und welchen Standard man gewohnt ist, kann das schon mehrere hundert bis tausend Euro kosten. Es gibt keine Tollwut in Griechenland, d.h. man benötigt keine speziellen Impfungen meines Wissens nach; wer sich unsicher ist, kann aber gerne beim Arzt nachfragen. Gesundheitlich muss nichts besonderes beachtet werden, allerdings sollte man mit den Sandmücken aufpassen wegen der Leishmaniose Gefahr.

Erster Eindruck


Im ersten Moment hier war ich erst mal überwältigt von allem. Man kann die Wohnungen hier natürlich nicht mit deutschem Standard vergleichen. Aber ich fühle mich hier mittlerweile super wohl und bin zufrieden. Zuerst habe ich mich mit der Umgebung vertraut gemacht, da einem das fürs erste Sicherheit gibt. Danach bin ich auch gleich zum Shelter gefahren, um mich schonmal mit meinem zukünftigen Arbeitsplatz vertraut zu machen. Mein erster Eindruck war, dass es ziemlich unaufgeräumt ist - aber ich glaube es gibt kein Shelter, wo perfekte Ordnung herrscht. Dazu sind einfach andere Dinge viel wichtiger, als aufzuräumen. Man öffnet eine Metalltür und steht dann auch einer riesigen Rasenfläche. Um diese Flächen herum sind ganz viele große Gehege, die die Zwinger für die Hunde sind, wo sie leben. Ganz anders als in Deutschland im Tierheim, weil hier viel mehr Platz ist. Hier laufen tatsächlich auch Hunde im Freilauf herum, weil sie sich so am wohlsten fühlen. Es sind immer maximal 2-3 Hunde in einem Gehege. Dazu gibt es noch 4 kleine Gebäude: eines für die Quarantäne, ein Puppy Haus, ein Aufenthaltshaus und einen Medical Room.


Jedes Gehege hat Unterschlupfmöglichkeiten, in denen die Hunde sicher und trocken sind und sich zu jeder Zeit selbst raus- und reinbewegen können. Das ist super wichtig, denn die Hunde sind durchgehend draußen, auch nachts und auch im Winter. 
 Im Shelter ist Platz für ca. 100 Hunde. Zeitweise wird diese Zahl aber auch sehr überschritten, letztes Jahr waren es über 180 Hunde, gerade sind es zum Glück nur ca. 65, was mir die Möglichkeit gibt, mich mit einigen Hunden einzeln zu beschäftigen.


Es gibt insgesamt nur 4 Mitarbeiter: den Tierheimleiter, 2 Mitarbeiter, die sich um die Quarantäne kümmern und einen, der die Hunde zum Flughafen transportiert, eincheckt und sich um alles kümmert, was den Transport nach Deutschland angeht. Ansonsten ist das Tierheim tatsächlich auf die Volontäre angewiesen. 


Die Tierhilfe Korfu ist eine deutsche Organisation, weshalb auch überwiegend deutsch gesprochen wird, was die Entscheidung vielleicht einfacher macht, weil die Sprachbarriere nicht vorhanden ist. In der Regel gibt es nur deutsche Volontäre, es wird teilweise auch englisch gesprochen und alle sind super freundlich. Es ist ein sehr enger Zusammenhalt hier und jeder ist mit Herzblut dabei.

Aufgaben im Shelter

Ich wurde von Beginn an direkt ins kalte Wasser geworfen, da einfach so viel zu tun ist. Daher gab es keine richtige Einarbeitung, ich hab mich einfach durchgefragt, was vollkommen okay war. Es gibt einen festen Schichtplan à 5 Stunden pro Tag (8-13 oder 13-18 Uhr) und meist hat man 2 Tage hintereinander frei. Jeden Tag werden Hunde nach Deutschland vermittelt und transportiert, d.h. es heißt jeden Tag Abschied nehmen - und man gewinnt die Hunde alle super schnell lieb.

Morgens werden alle Hunde gefüttert und bekommen Wasser und ggf. Medikamente. Hier muss teilweise darauf geachtet werden, dass alle auch wirklich zu Fressen bekommen und sich nicht gegenseitig etwas wegfressen. Es gibt für alle Trockenfutter, sehr dünne Hunde werden zusätzlich mit Nassfutter gefüttert. Die Quarantäne wird sauber gemacht (Volontäte dürfen in der Regel nicht in die Quarantäne); der Kot wird aus allen Gehegen entfernt und dann ist meist etwas Zeit, um sich mit den Hunden zu beschäftigen. 


Nachmittags/Abends werden alle noch mal mit Wasser versorgt und es gibt ggf. nochmal Medikamente (gegen die Mittelmeerkrankheit oder Antibiotika nach einer OP oder Kastration). Zwischendurch kommt der Tierarzt, um die Hunde zu chippen, zu impfen und zu kastrieren. Es kommen immer wieder neue Hunde rein oder Besucher, die darüber nachdenken, einen Hund zu adoptieren (häufig auch Deutsche). Die Hunde, die vermittelt sind, werden für den Flug vorbereitet: dafür werden sie gekämmt, nochmal auf Flöhe und sonstige Unreinheiten untersucht und in ein anderes Gehege gebracht.

Wenn man Zeit hat, ist die Zeit super investiert, indem man Hunde an die Leine gewöhnt, mit ihnen spazieren geht, Fellpflege macht und vor allem kuschelt - insgesamt suchen fast alle Hunde hier sehr die Nähe der Menschen. Zeitdruck gibt es hier nicht, was wiederum mir auch den Druck nimmt.

Schattenseiten


Zum Winter hin sind es immer sehr wenig Volontäre, die aushelfen können, obwohl da meist viel zu tun ist, denn dann landen viele Welpen im Heim landen. Hier wäre also ein guter Zeitpunkt, um helfen zu kommen. 
Man sollte sich bewusst sein, dass man mit emotional herausfordernden Situationen konfrontiert wird. Tiere hier sterben an Krankheiten, Mülltrennung gibt es in Griechenland nicht: tote Tiere landen einfach im Müll. Hündinnen werden kastriert, trotz Schwangerschaft. Der Grund dafür ist, dass ansonsten hier alles voller Welpen wäre. Die Hunde kommen außerdem selten raus und einige Hunde müssen abgewiesen werden wegen mangelnden Kapazitäten. Daher ist es wichtig, dass hier alles an Unterstützung ankommt, was möglich ist!


Persönliche Weiterentwicklung


Ich bin nach kurzer Zeit schon so an meinen Aufgaben gewachsen! Ich nehme hier jede Erfahrung mit, die ich kriegen kann - gute, sowie schlechte. Jede Erfahrung prägt mich, macht mich aus und ich bin dankbar, sie machen zu können. Alleine zu reisen, allein im Ausland zu sein, sich mit einer anderen Sprache auseinanderzusetzen, mit Hunden zu arbeiten, an ihnen zu lernen, ihnen zu helfen, das alles gibt einem so viel! So viele Erkenntnisse, so viel Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein, sodass ich so eine Arbeit wirklich jedem nur raten und ans Herz legen kann.


Wie du helfen kannst

Am besten kommt die Hilfe natürlich über ein Volontariat direkt bei den Hunden an. Dazu kannst du dich sehr gerne mit der Tierhilfe Korfu auseinandersetzen; Volontäre werden hier immer sehr gerne gesehen. 
Ansonsten kannst du eine Flugpatenschaft übernehmen: Hier meldest du dich ebenfalls bei der Tierhilfe Korfu und gibst deine Flugdaten an, damit auf deinen Flug ein Tiertransport drauf gebucht werden kann, den die Tierhilfe bezahlt. Den Ablauf und den Check-in am Flughafen übernimmt ein Mitarbeiter. Du musst dich um nichts kümmern - auch nicht bei Flügen mit Zwischenstopps.

Natürlich sind auch Geldspenden super hilfreich. Die Daten zum Spenden sind direkt auf der Seite der Tierhilfe ganz unten zu finden Sachspenden wie Puppy Halsbänder, Transportboxen, Spielzeuge können wir immer gut gebrauchen!
Und mit die beste Möglichkeit, zu helfen, ist natürlich, einen Hund zu adoptieren. 
Du kannst dich selbst auch als Pflegestelle in Deutschland anbieten. Damit wird im Shelter Platz für neue Hunde geschaffen und der Hund kann sich bereits an eine häusliche Umgebung gewöhnen. Folge gerne der Instagram Seite @tierhilfekorfu und leite interessante Hunde an Freunde und Bekannte weiter, wenn sie noch auf der Suche nach einem Tierschutzhund sind.

Zuletzt noch zu einem wichtigen Punkt, den ich gefragt wurde: Ich bin mir sicher, dass deine finanzielle Unterstützung auch hier ankommt. Du unterstützt beim Bezahlen der Gehälter der Mitarbeiter, in Gummistiefeln und Kleidung für die Quarantäne, in Futter, Medikamente, das Instandhalten der Zwinger, die Wasserversorgung und viel mehr. Alles ist letztendlich dafür da, um die Hunde hier angemessen zu versorgen!

Schreib mir unbedingt eine E-Mail oder bei Instagram, wenn du dich auch dazu entscheidest, eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen! Ich würde mich riesig darüber freuen, davon zu erfahren.

Alles Liebe, fühl dich umarmt und Stay Pawsitive,

deine Kiki


CREDITS INTRO / OUTRO
Italian Afternoon von Twin Musicom ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert.
Interpret: http://www.twinmusicom.org/

3 Kommentare

  1. Heinz Peter Hufe sagt:

    Alle die Tiere helfen sind gute Menschen ich hatte eine Hündin aus einem Tierheim aus Polen sie war ca 5 Jahre alt und war bei uns fast 4 Jahre und jeden Tag hat sie ihre Dankbarkeit und ihr freundliches Verhalten gezeigt . Nach 3 Jahre wurde sie krank hatte eine Augenentzündung und bekam noch einen Lungentumor das eine Jahr hat uns ca 5000€ gekostet es hat nicht geholfen sie muste eingeschläfert werden ich war bei ihr bis zum Schluss ich vermisse meine Dunja ich Weine heute noch wenn ich ein Bild sehe.ich bin 69 Jahre alt.alle im Tierschutz ein Dankeschön

  2. Krephia sagt:

    Die Folge war sehr spannend. Allerdings habe ich dauerhaft gewartet, ob auch etwas zum nachhaltig sinnvollen Tierschutz vor Ort kommt? Die Hunde nach Deutschland zu bringen, bekämpft ja lediglich die Symptome vor Ort und das nicht mal so richtig. Zumal leider etliche Krankheiten genau dadurch nach Dtl. kommen. Leishmaniose war Thema. Wenn man sich die Verbreitung davon in Dtl. ansieht, ist das immer in den Ballungsgebieten wo die Auslandshunde hinkommen. Da aber die Vektoren auch hier mittlerweile vorkommen, es sich um eine Zoonose handelt und bereits Hunde erkrankten, die nie im Ausland waren, frage ich mich, was das mit Tierschutz zu tun hat? Es werden dadurch Krankheiten eingeschleppt. LM hat eine Inkubationszeit von bis zu 7 Jahren und der Positiv-Negativ-Test ist nicht aussagekräftig. Schade, dass dieser Aspekt des Tierschutzes (Tierschutz heißt ja nicht Krankheiten woanders einschleppen) nicht berücksichtigt wurde. Das ist leider wenig weitsichtig. Das einzige was nachhaltig vor Ort hilft, sind Kastrationsprogramme und Aufklärung vor Ort. Insofern bin ich leider sehr enttäuscht und erschrocken, wo ihr doch sonst immer die Nachhaltigkeit im Sinn habt. Auch, dass Vermittlungstiere hier viel zu oft gleich wieder im TH landen, schwarze Schafe, etc. sowas hat mir stark gefehlt.
    Mir erscheint der Ansatz von Tierschutz, den ihr verfolgt, nicht wirklich sinnvoll. Ich setze mich übrigens selbst im Tierschutz ein. Hier vor Ort, weil wir hier auch viel Leid haben, aber ich nachhaltig helfen kann. Das wird in diesem Vermittlungssheltern scheinbar weniger berücksichtigt.
    Und gerade Krankheiten wie Lm und andere Mittelmeerkrankheiten sind nicht zu unterschätzen, auch wenn „Tierschützer“ das gerne so darstellen. Parasites.ex hat da sehr aufschlussreiche Artikel. Übrigens ein Mann, der selbst Lm Hunde aus dem Tierschutz hat und sehr differenziert damit umgeht.

    • Pawsitive Life sagt:

      Was unser Shelter mit Tierschutz zu tun hat? Wir retten das Leben der Hunde, da sie sonst elendig verrecken würden! In diesem Moment spielt Leishmaniose erst mal eine untergeordnete Rolle. Oder hilfst du in Deutschland auch nur den Tieren, wenn sie gesund sind? In dieser Folge ging es darum, wie ein Volontariat abläuft, nicht um Nachhaktigkeit oder Krankheiten bzgl. Tierschutz. Wir können leider nicht in jeder Podcastfolge alles berücksichtigen. Toll, dass du den Tierschutz in Deutschland unterstützt! Vielen Dank dafür. Wie sich die Griechen bzgl, Kastrationsprogrammen entscheiden, um die Problematiken vor Ort in den Griff zu bekommen, darauf haben wir keinen Einfluss. Allein der Umgang und das Zusammenleben mit den Tieren hier ist grundlegend anderes als in Deutschland. Die Hunde in unserem Shelter werden direkt geimpft und gegen die Mittelmeerkrankheit behandelt, sollten sie daran leiden. Ünbrigens ist eine Zoonose vom Hund auf den Menschen bei Leishmaniose in Deutschland bislang nicht nachgewiesen. Schade, dass du den Tierrschutzaspekt nur auf das Risiko der Krankheitsübertragungen beziehst, denn es ist doch sehr viel mehr als nur Politik und Gesundheit. Sehr schade, dass wir – unter Kollegen, denen der Tierschutz so sehr am Herzen liegt / liegen sollte – von dir so angegriffen werden. Dabei sollten wir doch eigentlich das selbe Ziel verfolgen: ausnahmslos JEDER Hund hat ein liebevolles Zuhause verdient.

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