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#116 Dominanz, Bellen unterbinden und Traumata - Wir beantworten eure Fragen

#116 Dominanz, Bellen unterbinden und Traumata - Wir beantworten eure Fragen

#Dominanz, Bellen unterbinden und Traumata - Wir beantworten eure Fragen

Podcastfolge anhören:

Da wir mittlerweile sehr viele Fragen von euch bekommen und längst nicht mehr alle einzeln beantworten können, ist es mal wieder Zeit für ein Q&A. Im heutigen Podcast beantworten wir sechs eurer Fragen, unter anderem zum Thema Dominanz, Umgang mit Traumata, Bellen und territorialem Verhalten.

Frage 1: Dominanz

„Ich würde gerne von euch wissen, wie ihr mit den Thema Dominanz umgeht. Zum einen von Seiten des Hundes, insbesondere aber von Seiten des Halters. Speziell denke ich da an (veraltete?) Methoden in Richtung ‚Der Hundeflüsterer‘. Muss der Hund sich beim Füttern anfassen lassen/ in sein Futter greifen lassen? Sollte ein Hund, der knurrt, bestraft werden? Wie geht man mit einem ängstlich/dominanten Hund richtig um, ohne die Beziehung/das Vertrauen kaputt zu machen?“

Dominanz ist keine Charaktereigenschaft, daher kann ein Hund nicht generell dominant sein. Dominanz beschreibt eine Beziehungsdynamik: Hund A kann dominant gegenüber Hund B sein, Hund B gegenüber Hund C, aber Hund C gegenüber Hund A! Es ist keine lineare, von oben nach unten herablaufende Hierarchie.
 Zudem wird nicht bei jeder Hundebegegnung geklärt, wer dominant ist. Dominanz bezieht sich eher auf feste Beziehungen oder Hunde, die sich regelmäßig sehen.

Dabei gibt es zwei verschiedene Formen der Dominanz: die situative und die formale Dominanz. Die formale Dominanz beschreibt das stabile Dominanzverhältnis zwischen zwei Hunden auf Dauer, wenn z.B. zwei Hunde zusammenleben. Dabei kann es aber trotzdem vorkommen, dass der submissive, also unterlegene Hund eine Ressource gegenüber dem dominanten Hund einfordert und dieses auch durchsetzen kann, wenn dem sonst dominanten Hund diese Ressource gerade nicht so wichtig ist. Das nennt sich dann situative Dominanz.


Es geht im Zusammenleben mit unseren Hunden aber nicht darum, zu demonstrieren, wer der Stärkste ist. Besteht ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Hund und Halter, sollte es okay für den Hund sein, wenn man ihm sein Futter wegnimmt. Er sollte keine unangemessen aggressive Reaktion darauf zeigen; generell sollte man aber auch etwas mehr Verständnis für den Hund aufbringen und sich in seine Lage versetzen. Beim Hund kommt dieses Verhalten eher als nerviges Verhalten, das er nicht nachvollziehen kann, an.

Ist ein Hund dominant gegenüber seinem Halter, ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ängstlich. Bei einem ängstlichen Hund ist das Verhalten, das du als dominantes Verhalten interpretierst (Bellen, Knurren, Zähnefletschen), vermutlich Maßnahmen, um dich auf Distanz zu halten oder dich zu warnen. In einem vertrauensvollen Verhältnis ist der Hund seinem Menschen gegenüber weder ängstlich noch dominant. Vertrauen wird nie durch Dominanz erreicht werden!


Frage 2: Trauma und Angst

„Mich würde das Thema Trauma sehr interessieren. Mein Jake wurde mit 12 Wochen von Windhunden gehetzt. Er hat daraufhin eine Angst gegen andere Hunde entwickelt. Als er 2 Jahre alt war, starb mein zweiter, älterer Hund plötzlich. Daraufhin wurde Jakes Verhalten anderen Hunden gegenüber schlimmer. Die Tierärztin sprach dann von einem Trauma. Wie identifiziere ich ein Trauma beim Hund und wie gehe ich damit um?“

Hier muss zwischen Angst und tatsächlichem Trauma unterschieden werden. Oft sprechen wir von Angst, meinen aber Furcht. Furcht hat der Hund, wenn er mäßiges Verhalten bei bekannten oder unbekannten Reizen, die er für weniger gefährlich hält, zeigt. Hund ist dabei psychisch und physisch in der Lage zu handeln, man kann also gemeinsam mit ihm den Reiz erforschen und der Hund ist auch in der Lage, zu flüchten.

Angst hingegen ist eine heftige Verhaltensreaktion vor einem bekannten oder unbekannten Reiz, den der Hund als gefährlich einstuft. In solchen Situationen zeigt der Hund Symptome wie Speicheln, Hecheln, erhöhte Herzfrequenz, Spontanschuppung. Wenn ein Hund Angst hat, ist er nicht mehr in der Lage, den Reiz mit uns gemeinsam zu erforschen.

Furcht und Angst sind beides natürliche Verhaltensweisen: Angst schützt das Tier vor Gefahren und animiert es, wenn nötig zu fliehen. Angst hat der Hund, wenn er negative oder mangelnde Erfahrung gesammelt hat. Die erste Reaktion ist meistens die Flucht, was in Aggression umschwenken kann.

Können wir den Hund nicht aus der Situation holen, setzt Hilflosigkeit ein. Dabei wirkt der Hund oft abwesend, lässt alles über sich ergehen und wehrt sich kaum noch. Aus einer solchen Situation kann ein Trauma entstehen. Bei einem Trauma konnte der Hund die Angstsituation nie hinter sich lassen, er konnte sie nie verarbeiten und ist in dem Gefühl gefangen. Er konnte keine Lösung finden und fühlte sich hilflos ausgeliefert.

Hunde, die unter einem Trauma leiden, erstarren, bewegen sich wenn überhaupt nur noch in Zeitlupe, können Kot und Urin nicht mehr halten, haben oft stark geweitete Pupillen und sind überhaupt nicht mehr ansprechbar. 
Hat ein Hund ein Trauma erlitten, bedarf es viel Geduld, Vertrauen und Verständnis, das ist nicht von heute auf morgen aufzulösen. Wenn Jake ein Trauma erlitten hat, dann würden wir ein Coaching bei einem Verhaltensberater empfehlen.
Der Zweithund hat Jake die nötige Sicherheit gegeben, diese Stütze fehlt ihm nun. Daher können wir dir in erster Linie den Tipp geben, Vertrauen und Sicherheit aufzubauen mit unserem Onlinekurs emPAWer your life.

Vorübergehend sollte erstmal jedem anderen Hund aus dem Weg gegangen werden, selbst eine positive Einstellung solchen Situationen gegenüber zu haben, souveränes und ruhiges Verhalten, um Sicherheit zu vermitteln, mit Bachblüten unterstützen.

Frage 3: Bellen

„Wie genau unterbinde ich Bellen und Knurren?“

Bellen und Knurren sind ganz normale Kommunikationsmittel unter Hunden. Sie können eine Warnung sein, daher sollte Bellen, Knurren etc. nicht in jedem Fall unterbunden werden. Generell sollte man erst einmal herausfinden, warum der Hund bellt. Gründe können Langeweile, Einforderung von Aufmerksamkeit, territoriales Signalisieren, Angst, Unsicherheit, angestaute Erregung (Bellen als Ventil: Folge von zu wenig körperlicher oder geistiger Auslastung, Stress), Wachverhalten, Ausdruck des Unmuts oder der Begeisterung oder eine Spielaufforderung sein.

Bellen ist bei vielen Hunde eine Veranlagung, daher kann es nicht immer komplett abtrainiert werden. Einige Hunde nutzen Lautsprache mehr als andere Hunde.
Wenn der Hund aufgrund eines hohen Erregungspotentials bellt, kann man daran arbeiten, die Auslöser herauszufinden und z.B. für ausreichende Auslastung sorgen, Entspannungstraining etablieren und ihm Sicherheit zu vermitteln, indem man als Halter souverän handelt.



Frage 4: Orientieren am Halter

„Was mache ich, wenn ein anderer Hund aggressiv hinterm Gartenzaun bellt? Wie kommen wir da ruhig vorbei?“

Wie reagiert der eigene Hund dabei? Falls er ebenfalls bellt; wie reagiert er auf dich, wenn du ihn ansprichst? Interessiert er sich für dich auf dem Spaziergang? Wie ist die Bindung zu deinem Hund? Wie reagiert er in reizarmen und in reizvollen Umgebungen?


Damit sich dein Hund an dir orientiert, kannst du mit einem alternativen Verhalten arbeiten. Du kannst deinen Hund z.B. auffordern, dich anzuschauen oder ihm das Signal Fuß geben. Dein Hund sollte die Signale kennen und in reizarmen Situationen ausführen können. Dieses alternative Verhalten sollte bereits frühzeitig eingefordert werden, noch bevor die Situation eintritt, damit der Hund sich noch auf dich konzentrieren kann. Solange dein Hund sich jedoch schon in reizarmen Situationen nicht an dir orientieren kann, bringt es nichts, an dieser reizvollen Stelle zu trainieren. Das heißt, die Stelle sollte vorerst gemieden werden und mit dem Training in reizarmen Situationen begonnen werden. Managementmaßnahmen wären beispielsweise die Straßenseite wechseln, um Distanz zu schaffen, die Stelle generell zu meiden.

Frage 5: Hundespielgruppen

„Mich würde auch noch interessieren, welche Meinung/Erfahrungen ihr mit großen Hunde Spielgruppen habt.“

Große Hunde in Spielgruppen

Wir finden es sinnvoll, große und kleine Hunde in einer Welpengruppe zu haben, damit der Umgang mit beiden gelernt wird. Das ist gerade in der sozial sensiblen Phase wichtig. Hier sollten nicht alle Welpen aus der Gruppe auf einmal losgelassen werden, sondern immer nur zwei Hunde miteinander spielen gelassen werden und auch immer nur unter Aufsicht, um jederzeit eingreifen zu können.


Große Spielgruppen

Wir empfehlen nicht mehr als 6 Hunde in einer Gruppe, da man als Trainer sonst schnell den Überblick verliert, nicht allen gerecht werden kann und sowohl Hunden als auch Haltern ein Gefühl von Sicherheit und Schutz vermitteln können sollte.

Frage 6: Variable Verstärkung

„Für mich wirkt es so, dass mein Welpe nicht auf verbale Verstärkung reagiert. Was tun?“

Wie ist deine Stimme, deine Körperhaltung bei der variablen Verstärkung? Denn gerade bei Welpen neigen wir dazu, uns über sie zu beugen. Wir loben zwar mit einer hohen Stimme, unsere Körperhaltung sagt jedoch etwas anderes. Der Hund sieht in deiner Körpersprache etwas Bedrohliches. Die Körpersprache überlagert immer unser Hörsignal.

Daher könnte es sein, dass der Hund die verbale Verstärkung nicht als solche sieht. 
Wenn er die Verstärkung gerade nicht wahrnehmen kann, weil er mit seiner Aufmerksamkeit woanders ist. Dabei kann verbales Lob mal untergehen. Bei zu viel Lob kann die verbale Verstärkung an Bedeutung verlieren. Unser Tipp ist hier, zu variieren. Wenn der Welpe etwas Besonderes macht, darf auch gerne mal eine Party gefeiert werden! Achte dabei aber immer gleichzeitig auf deine Körpersprache.

Wenn du allerdings das Gefühl hast, dein Hund reagiert wirklich nicht auf Wortlaute, sollte er auf jeden Fall beim Tierarzt durchgecheckt werden, denn dann wäre es möglich, dass der Hund taub ist.

Bei weiteren Fragen oder Anliegen stehen wir beide sehr gerne für 1:1-Coachings zur Verfügung.

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CREDITS INTRO / OUTRO
Italian Afternoon von Twin Musicom ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert.
Interpret: http://www.twinmusicom.org/

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