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#108 Beschwichtigungssignale - Hündische Kommunikation verstehen lernen

#108 Beschwichtigungssignale - Hündische Kommunikation verstehen lernen

Beschwichtigungssignale - Hündische Kommunikation verstehen lernen

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Definition Beschwichtigungssignale

Beschwichtigungssignale oder auch Demutsgebärden oder Calming Signals sind genetisch fixierte „Höflichkeitsfloskeln“, die dem Hund in der Kommunikation mit Artgenossen und Menschen helfen, sich in unbehaglichen Situationen durch Beschwichtigung zu verständigen, um gegen seinen Gegenüber einzulenken um einen möglichen Konflikt abzuwenden. Außerdem dienen sie dem Hund dazu, sich selbst zu beruhigen.

Welche Beschwichtigungssignale gibt es?

Alle Beschwichtigungssignale, die der Hund zeigt, sind doppelbelegte Signale. Sie müssen also im Gesamtkontext der Situation betrachtet und interpretiert werden. So kann ein Gähnen einfach nur bedeuten, dass der Hund müde ist. Oftmals zeigt Gähnen des Hundes aber auch Überforderung. Neben dem Gähnen sind weitere Beschwichtigungssignale auch den Kopf oder den ganzen Körper abwenden, Pföteln, sich im Bogen zu nähern, die Augen zusammenzukneifen, Züngeln bzw. sich über die Nase oder Schnauze lecken, ohne erkennbaren Grund auf dem Boden schnüffeln, Erstarren, Vorderkörpertiefstellung und langsame Bewegungen.

Beispiel: Beschwichtigungssignale bei einer Hundebegegnung

Häufig wird nicht nur ein Signal zur Beschwichtigung gezeigt, sondern gleich mehrere gleichzeitig oder aufeinander abfolgend: Hund A und B sehen sich von weitem. Hund A bleibt wie angewurzelt stehen, da er beim Anblick des anderen Hundes Unbehagen oder Stress empfindet. Hund B bemerkt diese Unsicherheit und beschwichtigt daraufhin durch Abwenden des Kopfes und Heben der Pfote und nähert sich anschließend vorsichtig im Bogen. Hund A traut sich nun etwas mehr und es wird sich gegenseitig vorsichtig beschnuppert, während beide noch weiterhin Beschwichtigungssignale senden wie das Pföteln. Dies ist der Ablauf einer freundlichen Hundebegegnung ohne Konflikt.

Um mehr Verständnis in der Kommunikation unserer Hunde zu schaffen, gehen wir auf die 10 am häufigsten gezeigten Beschwichtigungssignale ein und klären über Unklarheiten auf.

Gähnen

Hunde gähnen in der Regel, wenn sie müde sind. Sie zeigen dieses Verhalten aber auch, in Stresssituationen und wenn sie überfordert fühlen. Auch um sich in Stresssituationen herunterzufahren, wird Gähnen benutzt. Wir erleben Gähnen auch häufig im Training, auf dem Hundeplatz oder beim Einüben von Tricks als Zeichen von zu viel Druck des Halters oder von Überforderung. Der Hund will damit sagen: „Können wir bitte aufhören oder einen Schritt zurückfahren? Das ist mir hier gerade etwas zu viel.“

Den Körper oder Blick abwenden

Was auch häufig bei Menschen vorkommt aber genauso auch bei Hunden untereinander ist den Körper oder den Blick abzuwenden. Wenn ein Hund sich unwohl fühlt oder auch, wenn er kein Interesse an einem entgegenkommenden Hund hat, wendet er seinen Blick ab (eher bei Unsicherheit oder Unwohlsein) oder auch den ganzen Körper (eher bei Desinteresse). Auch Hunde, die genervt sind, wenden ihren Körper ab, um dem Gegenüber freundlich mitzuteilen: „Jetzt habe ich keine Lust auf Interaktion mit dir.“ Dies sieht man zum Beispiel im Umgang bei der Mutterhündin mit ihren Welpen. Auch Hunde, deren Menschen sich beim Geschirr anziehen über sie beugen, wenden den Blick, Kopf oder Körper ab. Dieses Verhalten sieht man zudem häufig beim über den Kopf Streicheln.

Pfote heben

Hunde pföteln oft, wenn sich ein Hund bei einer Hundebegegnung annähert. Häufig wird die Pfote gehoben, während sich die Hunde während der Begrüßung am Hinterteil schnuppern. Dies ist ein typisches Signal, das häufig in Kombination mit anderern Beschwichtigungssignalen auftritt. Auch das Pfote heben wird regelmäßig gezeigt, wenn der Hund sich leicht bedrängt und eingeschränkt fühlt, wie auch hier beim Geschirr anziehen. Dies erkennt man an eingeknickten Hinterläufen und einer nach hinten verlagerten Körperhaltung .

Sich im Bogen nähern

Das sich im Bogen annähern ist ein freundliches und höfliches Verhalten, das Hunde manchmal zeigen, wenn ihnen ein fremder Hund entgegenkommt. Hunde, die sich schon gut kennen, können sich auch frontal annähern, ohne dass es direkt unhöflich wirkt. Dadurch, dass wir unsere Hunde auf dem Spaziergang mit der Leine begrenzen, kann dieses Beschwichtigungssignal nicht vom Hund ausgeführt werden. Oftmals nähern sich zwei Mensch-Hund-Teams dann frontal, was eher zu einer Auseinandersetzung führt. Daher haben auch so viele Mensch-Hund-Teams Probleme beim Verhalten an der Leine, das nicht selten in einer Leinenaggression endet. Diesem Problem kannst du entgehen, indem du dich gemeinsam mit deinem Hund an der Leine dem anderen Mensch-Hund-Team in einem Bogen näherst. Das gibt nicht nur deinem Hund Sicherheit, sondern auch dem entgegenkommenden Hund ist damit sehr geholfen.

Augenkontakt vermeiden

Sich tief in die Augen zu sehen ist ein menschliches Konzept und beim Hund eher als fixierendes, aufforderndes und provozierendes Verhalten mit starren Blicken zu beurteilen, was also das genaue Gegenteil von Beschwichtigung bedeuten würde. Daher ist es höflich, den Blick abzuwenden und Augenkontakt zu vermeiden. Wenn Hunde aufeinandertreffen und sich höflich nähern, schauen sie in entgegengesetzte Richtungen bzw. an dem anderen vorbei. Ständiges Blinzeln steht dabei übrigens für Unsicherheit.

Züngeln

Auch züngeln oder sich übers Maul lecken sieht man sehr häufig als Beschwichtigungssignal. Züngeln ist in seiner Bedeutung doppelt belegt, dann sich über die Nase oder Schnauze lecken zeigen Hunde natürlich auch nach dem Fressen. Züngeln wird von unserern Hunden sehr häufig als Signal zur Beschwichtigung eingesetzt, insbesondere dann, wenn man etwas zu grob mit seinem Hund umgeht indem man beispielsweise seine Stimme für den Hund etwas zu stark erhebt. Auch bei Überforderung wird es gezeigt und generell, wenn man mit zu viel Druck arbeitet. Dieses Signal merkt man als Halter und auch als Trainer nicht immer sofort, da es sehr schnell gezeigt wird und nicht lange andauert. Der Hund versucht durch dieses Signal außerdem etwas mehr Abstand zu schaffen. Dadurch lernen Hunde untereinander ihre Individualdistanz kennen und einzuhalten.

Schmatzen

Schmatzen wird häufig in Kombination mit Züngeln gezeigt. Die Stirnhaut ist dabei meist geglättet, die Ohren angelegt mit einer generell demütigen Haltung, der Kopf ist gesenkt und der Hund vermeidet Blickkontakt. Ansonsten kann Schmatzen aber auch nach dem Essen gezeigt werden oder bei Sodbrennen.

Vorderkörpertiefstellung

Die Vorderkörpertiefstellung wird in den meisten Fällen zur Spielaufforderung genutzt. Sie dient aber auch zur Beschwichtigung seines Gegenübers. Sie dient zur eigenen Beruhigung und als Ventil für angestaute Aufregung und Energie. Der Unterschied zwischen Spiel/Spaß und Unsicherheit/Unbehagen liegt im Bewegungsablauf. Während die Bewegung im Spiel flüssig abläuft, ist sie bei der Beschwichtigung starrer.

Langsame Bewegung / Annäherung

Hunde bewegen sich bei Begegnungen mit anderen Hunden langsmer, um die Situation zu entschleunigen und sich sowohl aus Höflichkeit als auch zur eigenen Beruhigung nicht mit voller Wucht dem anderen Hunden zu nähern. Das Erstarren kennt man auch aus dem Freeze – einer der 4Fs, die als Strategie auf Stresssituationen gezeigt werden.

Beschwichtigungssignale sind gesund, normal und Kommunikation

Beschwichtigungssignale gehören in das Kommunikations Repertoir des Hundes dazu. Es gibt sowohl Forschungsergebnisse und Studien, die die Beschwichtigungsssignale unterstützen, genauso wie Kritiker, die behaupten, dass Beschwichtigungssignale “nicht den Charakter gezielter kommunikativer Gesten haben” und eher reflexartig oder unwillkürlich gezeigt werden. Wir haben persönlich bislang die Erfahrung gemacht, dass Hunde durchaus kommunikativ durch Signale steuern können, diese aber auch unwillkürlich zeigen. Was dazu aber unbedingt gesagt werden muss: ein Züngeln ist ein Züngeln und ein Gähnen ist ein Gähnen. Es gibt nicht “nur etwas Züngeln” oder “nur ein bisschen Gähnen” im Sinne von: je lauter der Hund gähnt, desto gestresster ist er. Wwir können anhand des einzelnen Beschwichtigungssignals also nicht die Intensität der Situation für den Hund beurteilen, daher ist es immer wichtig, auf Mimik und Gestik und Körpersprache und Situation zu achten, also den gesamten Kontext und auch die Erfahrungen des Hundes, sowie seinen Hund kennenzulernen und herauszufinden, wann er welches Signal bevorzugt zeigt, um dahingehend eine Tendenz feststellen zu können, wie schwierig die aktuelle Situation für ihn tatsächlich ist. UND: ein Hund muss auch nicht aus jeder kleinsten noch zu unangenehmen Situation herausgeholt und gerettet werden! Auch unsere Hunde werden in ihrer Kommunikation nach und nach feinfühliger und lernen und wachsen an ihren Erfahrungen. Daher sollte man ihnen nicht jede Gelegenheit nehmen, diese Kompetenzen zu verbessern.

Beschwichtigungssignale zur besseren Kommunikation in deinem Mensch-Hund-Team

Für die Mensch-Hund-Bindung ist es sehr von Vorteil, die Beschwichtigungssignale zu verstehen, denn der Hund versucht sich damit verständlich zu machen. Strafen wir ihn oder gehen nicht auf ihn ein, werden seine Bedürfnisse nach Sicherheit nicht wahrgenommen, dabei ist Sicherheit die wichtigste Säule in der Mensch-Hund-Bindung. Lernen wir unseren Hund zu verstehen, mit ihm klar zu kommunizieren und nehmen seine beschwichtigenden Signale war, fühlt sich unser Hund verstanden und sicher. Und das ist das aller wichtigste und nachhaltigste, was wir für unseren Hund tun können und auch das schönste, weil man sich gegenseitig verstanden fühlt und wir klar miteinander kommunizieren können. Unsere Hunde geben sich sehr viel mehr Mühe dabei, uns Menschen zu verstehen, als wir es andersherum versuchen. Während wir uns sehr häufig darauf konzentrieren, ob der Rückruf, die Leinenführigkeit oder der neueste Trick vernünftig funktioniert oder unser Hund Hundebegegnungen erfolgreich hinter sich bringen kann, vergessen wir vollkommen die zwischenmenschliche / zwischenhundliche Kommunikation im Alltag. Unsere Hunde versuchen uns so viel mehr zu sagen, als wir es selbst wahrnehmen.

Unser Tipp: filme dich beim Üben mit deinem Hund

Um deinen Hund besser zu verstehen, kannst du dich und deinen Hund beim Training filmen und dir das Video im nachhinein ansehen. Wann hat dein Hund beschwichtigt? Hat er seine Pfote gehoben oder sich über die Nase geleckt? Seinen Blick zwischendurch abgewendet? Falls ja, dann war das Lernpensum eventuell zu viel oder der Druck für ihn zu hoch. Selbst, wenn wir es gar nicht so gemeint haben und keinen Druck aufbauen wollten, so kann es dennoch bei unserem Hund so ankommen. Es lohnt sich also sehr, hier mal genauer hinzuschauen, damit sich unser Hund wenigstens bei uns als seinen Halter, seine Bezugsperson, seinen sicheren Hafen sicher fühlen kann und weiß, dass er sich auf uns verlassen kann. Das führt auch zu mehr Vertrauen auf den Spaziergängen und wiederum zu weniger Konflikten mit anderen Mensch-Hund-Teams.

Beschwichtigungssignale und Rassenunterschiede

Generell gilt: da Beschwichtigungssignale genetisch verankert sind, können sie alle Hunde zeigen. Trotzdem sind sie individuell zu betrachten: der eine Hunde zeigt das eine Beschwichtigungssignal häufiger, der andere Hund das andere. Je nachdem, mit welchem sie sich besser verstanden fühlen und welches eher zum gewünschten Erfolg führt. Rassen mit langem Fell, bei denen Haaraufstellen oder Blinzeln nicht gut sichtbar sind, bedienen sich auf Dauer eher Signalen in der Körperhaltung statt in der Mimik und Gestik. Hunde mit kupierter Rute können ihre Rute nicht vernünftig zur Kommunikation einsetzen oder der Mops mit seinem faltigen Gesicht ist stark in seiner Mimik eingeschränkt und wird daher eher seinen Körper zur Kommunikation und Beschwichtigung einsetzen indem er beispielweise seine Pfote hebt. Bei Hunden mit eingeschränkter Mimik und Gestik lohnt es sich also eher auf die Körpersprache zu achten, da sich der Hund eher diesen S bedienen wird.


CREDITS INTRO / OUTRO
Italian Afternoon von Twin Musicom ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert.
Interpret: http://www.twinmusicom.org/

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