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Anti-Jagd-Training: Jagen kontrollieren lernen

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Was ist Jagen?

Jagen ist ein natürliches Verhalten, das angeboren und genetisch fest verankert ist. Genetisch fixierte Verhaltensweisen können nicht einfach so „wegtrainiert“ werden. Je nach Rassezugehörigkeit und individuellen Erfahrungen und Erfolgserlebnissen ist das Jagen unterschiedlich stark ausgeprägt.

Warum jagen Hunde?

Der Körper des Hundes schüttet während jeder jagdlichen Sequenz Hormone aus (Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin), wodurch das Jagen ein selbstbelohnendes Verhalten darstellt - und zwar jede Sequenz, nicht nur das Hinterherhetzen oder Fangen der Beute.


Die 8 Jagdsequenzen

Jede Sequenz stellt den Auslöser für die nächste Sequenz in der Verhaltenskette dar.

1. Orten: Das Ausfindigmachen der Beute, auch ungerichtetes Such- oder Appetenzverhalten genannt, d.h. das Verhalten soll ein Bedürfnis befriedigen. Alle Sinne des Hundes werden angesprochen. Hat der Hund das Tier mit seinen Augen erkannt, wird es zum gerichteten Appetenzverhalten und das führt zu Sequenz 2.

2. Fixieren: Der Blick wird nicht von der Beute abgewendet. Ein Erkennungsmerkmal kann eine erhobene Vorderpfote sein (Vorstehhaltung).


3. Anschleichen: Der Hund geht leicht geduckt; Kopf, Rücken und Schwanz sind auf einer Linie. Die Körperhaltung ist stark angespannt.


4. Hetzen & Jagen: 
Das Hetzen wird meist ausgelöst, wenn die Beute flieht. Dabei werden die Ohren angelegt, die Ruhe ist gerade; manche Hunde bellen oder quietschen (Erregung)


5. Packen: Auch der Mäuselsprung ist eine Form des Jagens: Der Hund hüpft mit beiden Vorderpfoten und einem hohen Sprung auf kleinere Beutetiere. Bei mittelgroßen Beutetieren packt der Hund das Tier im Nacken. Große Beutetiere werden im Hals, Nacken oder an den Beinen gepackt.

6. Töten

7. Zerreißen

8. Fressen


Es folgt die refraktäre Phase: Das Bedürfnis des Hundes ist vorerst gestillt, er wird weder von äußerlichen noch von inneren Reizen weiter zum Jagen motiviert. 
 Durch gezielte Selektion des Menschen variiert die Ausprägung der verschiedenen Sequenzen von Hund zu Hund. 

So verhält sich der Hund beim Jagen

Daran erkennst du Anzeichen/Vorboten des Jagens: Mauseloch buddeln, umherfliegenden Blättern hinterherrennen, Fliegen fangen, Hüten, Menschen in die Hacken oder Füße beißen, Schatten- oder Lichtreflexe verfolgen, Autos, Joggern, Radfahrern oder Kindern Hinterherjagen, Fährten absuchen, Wild hetzen
.

Einen Hund abzurufen, wenn er der Beute bereits hinterherrennt, ist schwierig, daher sollte man frühzeitig handeln und ein alternatives Signal fordern.

Warum auch beim Jagen die Bindung der Schlüssel ist

Jagen hat nichts mit mangelnder Bindung zu tun. Jagdverhalten ist genetisch fixiert; das Ausmaß hängt auch von Umweltfaktoren ab. Es kann aber auch ein Symptom von zu viel Stress im Alltag sein, denn dann ist die Impulskontrolle schwieriger. Daher sollte im Alltag das Stresslevel gesenkt und ein Ausgleich geschaffen werden.

Du kannst deinen Hund unterstützen, indem du gezielte Bindungsübungen gemeinsam mit deinem Hund machst. Viele Übungen findest du zum Beispiel in unserem Onlinekurs emPAWer your life.

Durch das Eliminieren beziehungsweise Reduzieren von Stress sorgst du dafür, dass dein Hund ausgeglichen ist und sich nicht so stark von äußeren Reizen ablenken lässt. Rituale helfen, sein Stresslevel niedrig zu halten. Dadurch weiß er, was auf ihn zukommt und kann Situationen besser einschätzen. Das wiederum gibt ihm Sicherheit und Selbstvertrauen. Mit Vertrauensübungen stärkst du eure Bindung und das hilft dir dabei, dass dein Hund sich freiwillig an dir orientiert. Diese findest du zum Beispiel im Degility, bei Apportierspielen, bei der Fährtensuche oder Longieren. Wenn ein Hund unsicher ist, führt das zu Stress, er kann sich weniger gut konzentrieren und ist anfälliger dafür, Impulsen nachzugeben. Wenn du das Selbstvertrauen deines Hundes mit kleinen Übungen und Spielen stärkst, hilft das seiner persönlichen Entwicklung und lässt deinen Hund sich an dir orientieren.

Die wichtigste Säule der Bindung, auf die auch die anderen beiden Säulen zurückführen, ist die Sicherheit. Wir als Halter müssen dafür sorgen, unserem Hund Schutz zu bieten, wenn er seine Umwelt erkundet. Wenn der Hund sich sicher fühlt, kann er entspannen und ist offen für die Signale seines Menschen. Regelmäßige Spieleinheiten sorgen durch die Ausschüttung von Oxytocin, dem Bindungshormon, dafür, dass ihr noch enger zusammenwachst und dein Hund auch auf dem Spaziergang Interesse an dir zeigt. Aktives Entspannungstraining kannst du auch sehr gerne in Kombination mit ätherischen Ölen machen. Dazu kannst du den Aromadiffuser oder ein Raumspray nutzen, dich ruhig zu deinem Hund setzen oder legen und ihn sanft streicheln. Achte hierbei auf deine eigene, entspannte Stimmung.

All diese Punkte werden in unserem 10-wöchigen Onlinekurs, der die Intensivierung der Mensch-Hund-Bindung behandelt, ausführlich angesprochen.

Management & Training

Beim Anti-Jagdtraining geht es nicht darum, dass der Hund das Bedürfnis nach dem Jagen verliert: Das kann nicht "abtrainiert” werden! 
Die Bedürfnisse des Hundes, die ihn in diese Situation bringen, sollen befriedigt und unter Kontrolle gebracht werden und das eigentliche Jagen umgelenkt. Das wird der Hund aber niemals selbst zeigen und erfordert immer unsere Aufmerksamkeit und unser Einwirken!

In akuten Situationen hilft nur das Absichern durch die Schleppleine; generell sollte man mit einem Hund, der hohe jagdliche Motivation zeigt, eher in Bereichen mit wenig Wildwechsel, wenig Joggern etc. spazieren gehen.

Gezieltes Training zum Umlenken jagdlicher Motivation

Durch Impulskontrollübungen lernt dein Hund, nicht jedem schnellen Bewegungsreiz nachgehen zu müssen. Das kannst du zum Beispiel mit Ballspielen üben: Werfe oder rolle den Ball und lass deinen Hund erst nach deinem Signal hinterherlaufen.

Der sichere Rückruf ist beim Anti-Jagd-Training unerlässlich. Nur, wenn du deinen Hund sicher aus jeder Situation abrufen kannst, solltest du deinen Hund frei laufen lassen. So kannst du, sobald du erste Anzeichen von Jagdverhalten entdeckst, sofort eingreifen. Den sicheren Rückruf kannst du mit Hilfe von unserem E-Book Avanti etablieren.

Es hilft dem Hund immer, wenn du anstatt eines Abbruchsignals, wenn das Verhalten bereits fortgeschritten ist, sein Verhalten vorher umlenkst und ihn umkonditionierst. Wenn du zum Beispiel merkst, dass er in die Vorsteh-Haltung geht, lass ihn Absitzen, oder fange eine andere Übung an, die dir die Aufmerksamkeit deines Hundes sichert. Damit bekommt er ein Alternativverhalten zum Hetzen geboten.

Insgesamt hilft es dir, am Kern anzusetzen und an eurer Mensch-Hund-Bindung zu arbeiten.


CREDITS INTRO / OUTRO
Italian Afternoon von Twin Musicom ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/) lizenziert.
Interpret: http://www.twinmusicom.org/

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